
Manchmal beginnt eine Geschichte nicht mit einem ersten Satz.
Manchmal beginnt sie mit einer Frage, die uns schon ein Leben lang begleitet. Mit einer Erinnerung, die sich nicht verabschieden will. Mit einem Gefühl, für das wir noch keine Worte gefunden haben.
Und manchmal beginnt sie auf einem kleinen Zettel.
Ich habe früher vieles aufgeschrieben. Gedanken, Augenblicke, Begegnungen, Fragen. Es waren kleine Notizen, die in einer Schublade meines Schreibtisches verschwanden. Jede für sich schien kaum mehr zu sein als ein flüchtiger Moment. Doch mit der Zeit wurden aus diesen Zetteln Teile eines Puzzles. Und irgendwann erkannte ich darin ein Bild – vielleicht sogar das große Ganze.
Das Schreiben war für mich schon immer mehr als das Aneinanderreihen von Worten. Es war meine Art, die Dinge zu verstehen. Eine Möglichkeit, Erlebtes zu verarbeiten, die Perspektive zu wechseln und aus der Begrenzung des eigenen Blicks herauszutreten.
Denn solange wir mitten in einer Geschichte stehen, sehen wir oft nur die eine Seite. Erst wenn wir einen Schritt zurücktreten, erkennen wir die Zusammenhänge. Plötzlich verstehen wir, warum etwas geschehen ist. Warum ein Mensch gegangen ist. Warum wir selbst geblieben sind. Und weshalb manche Wunden nicht verschwinden, aber dennoch aufhören können, unser Leben zu bestimmen.
Für mich ist das Schreiben eine Verbindung mit dem „Big Mind“ – mit jenem großen Bewusstsein, das uns alle miteinander verbindet. Dort werden aus Gedanken Wege. Aus Fragen werden Antworten. Und manchmal wird aus einer Erinnerung ein Kompass.
Irgendwann entdeckte ich das Internet für mich. Die kleinen Zettel wurden weniger, die Schublade blieb häufiger geschlossen. Stattdessen begann ich in meinem Blog „The Sunday Post“ von meinen Erlebnissen, Gedanken und Reisen zu erzählen.
Eines Tages schrieb ich über eine Begebenheit in Rom. Sie hatte sich während der Dreharbeiten zu dem Film „Bel Ami“ ereignet. Es war eine jener Geschichten, die das Leben ganz beiläufig schreibt – und die uns dennoch nicht mehr loslassen.
Der Text berührte viele Menschen. Schließlich meldete sich ein Verlag aus der Schweiz bei mir und fragte, ob ich aus dieser Geschichte nicht einen Roman machen wollte.
Ich sage es ganz ehrlich: Ich hatte niemals vorgehabt, ein Buch zu schreiben.
Aber manchmal klopft das Leben nicht zweimal an dieselbe Tür. Also setzte ich mich an meinen Schreibtisch und begann.
So entstand mein Debütroman „Der leise Ruf des Schmetterlings“, der 2018 erschien und in der Schweiz ein Bestseller wurde. Ich konnte es kaum glauben. Was als ungeplanter Weg begonnen hatte, wurde plötzlich zu einer Reise durch Raum und Zeit – und vor allem zu einer Reise zu mir selbst.
Jedes Wort, das ich niederschrieb, empfand ich wie ein Geschenk.
Es waren schwierige Jahre, die hinter mir lagen. Und auch die Zukunft war ungewiss.
In Hamburg hatte ich in dieser Zeit ein zweites Zuhause gefunden: die Hamburger Kammerspiele. Tagsüber probte ich „Jungs im Herbst“. Abends stand ich als der querschnittgelähmte Philippe in „Ziemlich beste Freunde“ im elektrischen Rollstuhl auf der Bühne.
Und nachts schrieb ich.
Während die Stadt langsam still wurde, saß ich an meinem Schreibtisch. Das Schreiben war keine zusätzliche Arbeit. Es war meine Belohnung. Vielleicht sogar meine Rettung.
Viele Fragen, die mich schon ein ganzes Leben lang gequält hatten, begannen sich zu beantworten. Zusammenhänge, die vorher im Nebel gelegen hatten, zeichneten plötzlich ein klares Bild. Neue Welten öffneten sich.
Ehrliche Antworten können wunderschön und zugleich grausam sein. Sie nehmen uns die Geschichten, die wir uns selbst erzählt haben. Sie lösen die Verzerrungen auf, mit denen wir manches erträglicher gemacht haben. Doch gerade darin liegt ihre Kraft.
Denn wenn wir die Perspektive wechseln, können selbst die dunkelsten Abschnitte unseres Lebens eine andere Bedeutung bekommen.
Plötzlich sind wir vielleicht sogar in der Lage, uns selbst zu verzeihen.
Kein Mensch ist vollkommen. Fehler sind menschlich. Und auch das Versagen gehört zu unserem Lernprozess. Glück ist kein Besitz. Es ist ein flüchtiger Augenblick, den wir viel zu selten erkennen, während er geschieht.
Erkenntnis hingegen ist ein Geschenk für die Mühe, genau hinzusehen, die leisen Töne zu hören und zwischen den Zeilen zu lesen.
All das erlebte ich, als ich „Der leise Ruf des Schmetterlings“ schrieb.
Ein Buch endet mit einer letzten Seite. Seine Figuren aber halten sich nicht unbedingt daran.
David und Laura blieben bei mir. Ebenso die Zuversicht von Camilla und die Weisheit von Signore Mazzini. Sie waren gegenwärtig, manchmal leise, manchmal so deutlich, als säßen sie neben mir und warteten nur darauf, dass ich ihnen wieder zuhörte.
Zwischendurch schrieb ich „Wendepunkte“, ein biografisches Buch über Stationen meines Lebens: über Orte, Begegnungen und Erfahrungen, nach denen nichts mehr so war wie zuvor.
Aber auch während dieser Arbeit verließen mich David und Laura nicht. Ihre Liebe war noch nicht zu Ende erzählt. Vielleicht kann eine große Liebe auch gar nicht zu Ende erzählt werden. Sie verändert nur ihre Gestalt.
Es war deshalb nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder an meinem Schreibtisch saß und begann, ihre Geschichte weiterzuschreiben.
So entstand „Das Licht der Erinnerung“.
Erinnerung ist für mich kein bloßer Blick zurück. Sie ist ein Licht, das Vergangenes in unsere Gegenwart trägt. Manchmal wärmt es uns, manchmal zeigt es uns schonungslos, was wir verloren haben. Aber solange dieses Licht brennt, ist nichts und niemand vollkommen verschwunden.
Vielleicht können wir die Zeit nicht aufhalten. Doch wir können bewahren, was sie uns geschenkt hat. Ein Wort. Eine Berührung. Einen Blick. Jenen einen Augenblick, der längst vergangen ist und dennoch ein Teil von uns bleibt.
„Das Licht der Erinnerung“ führt die Geschichte von Laura und David weiter.
David ist ein Schriftsteller, der glaubte, alles verloren zu haben. In Laura findet er nicht nur die große Liebe, sondern auch seine Inspiration und seinen Weg zurück ins Leben. Über den Dächern Roms erschaffen sich beide eine Welt voller Leichtigkeit, Hoffnung und gemeinsamer Träume – begleitet vom Duft der Blumen, vom Klang der Stadt und von der Musik eines alten Karussells.
Doch das Schicksal hält sich nicht an unsere Pläne.
Ein Ereignis stellt ihre Liebe auf eine Prüfung, auf die kein Mensch vorbereitet sein kann. Aus der Geschichte über das Finden wird eine Geschichte über das Loslassen. Aus dem gemeinsamen Glück entsteht die Frage, was von einem Menschen bleibt, wenn wir ihn nicht mehr festhalten können.
Ist Liebe an die Gegenwart gebunden? Endet sie mit dem Tod? Oder lebt sie in unseren Erinnerungen weiter – in einem Satz, einer Melodie, einem vertrauten Geruch, einem Licht, das plötzlich auf eine alte Fotografie fällt?
Der Roman erzählt von Hoffnung und Abschied, von der Vergänglichkeit des Lebens und von der bittersüßen Erfahrung, dieses Leben dennoch anzunehmen – ganz gleich, was geschieht.
Und er erzählt von Rom.
Von einer Stadt, die so alt zu sein scheint wie die Geschichte selbst. Einer Stadt der Liebe, der Tragödien, der Verzweiflung und des Neubeginns. In Rom liegt die Vergangenheit nicht hinter uns. Sie ist überall. In den Mauern, auf den Plätzen, unter unseren Schritten. Vielleicht ist Rom gerade deshalb der richtige Ort für eine Geschichte darüber, was bleibt.
Das Unglaubliche an diesem Schreibprozess war, dass ich keinen festen Plan hatte.
Ich wusste nicht immer, was als Nächstes geschehen würde. Es war, als würden die Figuren selbst mit mir sprechen. Als würden sie mir ihre Gedanken, ihre Ängste und ihre Hoffnungen anvertrauen, während ich ihre Worte nur noch in meinen Laptop tippte.
Für einen Autor ist das ein kostbarer Zustand. Man hört auf, eine Geschichte beherrschen zu wollen. Man beginnt, ihr zu vertrauen.
Vielleicht ist genau das der Augenblick, in dem aus dem eigenen Bewusstsein eine Verbindung mit dem „Big Mind“ entsteht. Der Autor schreibt – aber er ist nicht mehr allein. Die Figuren, die eigenen Erfahrungen und die unsichtbaren Geschichten anderer Menschen fließen ineinander.
Wir sind stärker miteinander verbunden, als wir glauben.
Unsere Verluste mögen unterschiedliche Namen tragen. Unsere Liebe hat andere Gesichter. Und doch kennen wir alle die Angst vor dem Abschied, die Sehnsucht nach Nähe und die Hoffnung, dass etwas von uns bleibt.
Solange ich schreibe, gehört eine Geschichte noch zu mir. Doch sobald ein Buch erscheint, beginnt es seine eigene Reise.
Es verlässt meinen Schreibtisch. Es findet den Weg in Buchhandlungen, Bibliotheken, Wohnzimmer, Züge und Hotelzimmer. Menschen nehmen es mit in ihren Urlaub oder legen es auf den Nachttisch. Sie lesen meine Worte – und verbinden sie mit ihren eigenen Erinnerungen.
Erst dann ist das Wunder vollkommen.
Der Buchhandel beschreibt „Das Licht der Erinnerung“ als einen Roman voller „poetischer Sprache und tiefer Wärme“, der berührt und lange nachhallt. Solche Worte machen mich dankbar. Noch näher gehen mir jedoch die unmittelbaren Reaktionen der Leserinnen und Leser.
Ein Leser aus Hamburg schrieb:
„Ich habe lange kein Buch mehr gelesen, das mich so beschäftigt hat.“
Leser aus Hamburg
Vielleicht ist das das schönste Geschenk, das ein Autor erhalten kann. Nicht, dass sein Buch einfach nur gelesen wurde, sondern dass es einen Menschen weiter begleitet. Dass es Fragen hinterlässt. Dass es etwas berührt, für das dieser Mensch möglicherweise selbst noch keine Worte gefunden hatte.
Ich will meinen Leserinnen und Lesern keine fertigen Antworten geben. Ich möchte sie mit auf eine Reise nehmen. Ich möchte Bilder in ihren Köpfen entstehen lassen und ihnen meine Gefühle anvertrauen – in der Hoffnung, dass sie darin etwas Eigenes wiederfinden.
Denn ein gutes Buch erzählt nicht nur die Geschichte seiner Figuren.
Es erzählt uns immer auch etwas über uns selbst.
„Das Licht der Erinnerung“ wird mich auch auf meiner kommenden Theatertournee mit „Der Sohn“ begleiten.
Das ist für mich kein Zufall. Beide Werke beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise mit dem, was Menschen oft erst erkennen, wenn das Leben aus dem Gleichgewicht gerät. Mit Liebe und Verlust. Mit Eltern und Kindern. Mit den leisen Signalen, die wir überhören. Und mit der Frage, ob wir bereit sind hinzusehen, bevor aus einem Flüstern ein Schrei wird.
Während der Tournee wird das Buch in allen Theaterhäusern erhältlich sein, in denen wir gastieren. Und selbstverständlich gibt es auf Wunsch eine persönliche Widmung.
Ich freue mich auf diese Begegnungen. Auf Gespräche nach den Vorstellungen. Auf Fragen, Erinnerungen und vielleicht auch auf ein stilles Lächeln eines Menschen, der in David und Laura etwas von seiner eigenen Geschichte entdeckt hat.
Denn Bücher sind keine Gegenstände, die still in einem Regal stehen sollten. Sie wollen weitergegeben werden. Von Hand zu Hand. Von Herz zu Herz. Von einer Generation zur nächsten.
Sie bewahren, was die Zeit auszulöschen versucht.
Vielleicht ist genau das ihre größte Kraft: Ein Mensch schlägt ein Buch auf – und für einen Augenblick begegnen sich zwei Seelen, die einander nie zuvor gesehen haben.
Dazwischen liegen nur Papier, Druckerschwärze und ein paar Worte.
Und doch kann darin ein ganzes Universum wohnen.
Wer „Das Licht der Erinnerung“ bestellen möchte, kann es direkt beim Giger Verlag bestellen oder dem Verlag eine E-Mail schreiben.
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